e wie Entwicklung
Rückblende 1997:
Der von mir meist gehörte Satz damals war: “Ick hab die Schnauze voll, ick hau ab!” Auf die Frage, wohin, hiess es in 95% der Fälle: Berlin. Auch ich habe dazu gehört! Ich habe meine Beinahe-Heimatstadt Eberswalde verlassen und (bereits zum zweiten mal) versucht, in Berlin Fuss zu fassen. Eben weil damals viele Eberswalder nach Berlin gingen, gab es eine ‘Eberswalder Szene’ da. Also eigentlich die Leute, mit denen man Monate vorher in EW abgehangen hat. Für einen Kleinstadt-Sozialisierten, wie mich, war das wie Methadon. Nicht ganz zu Hause aber doch vertraut. Damit konnte ich Berlin auch als Wohnort recht nett finden. Doch dann passierte es! Ich wurde schwanger! Also nicht ich direkt, sondern meine Frau. Aber heute sagt man das so: Wir wurden schwanger. Und mit frisch erwachten animalischen Beschützerinstinkten begaben wir uns auf die Suche nach einer neuen Wohnstatt. Ein Albtraumszenario und Stoff für einen Woody-Allen-Film! Der von mir damals meist gedachte Satz war: “Ick hab die Schnauze voll, ick hau ab!”
Gegenwart:
Einfachste Lösung: Back to Barnim. Es waren ja sowieso schon fast alle wieder da (Naja, manche blieben auch weg, um die es schade ist). Da hiess es dann 2002/2003 erst einmal, den Kulturschock zu überwinden. Kein Spätkauf, kein Spätbus, kein Spätbier. Also Kulturpendeln. Das war aber auch nicht das Richtige. Also anpassen oder – Selber machen! Da kam Udo Muszynski ins Spiel, der schon seit Anfang der 90′er in EW Kultur veranstaltete, im Wesentlichen in Form von Konzerten. Seine Ausdauer machte uns Mut, etwas zu beginnen und wir starteten mit viel Unterstützung von Freunden das Filmfest Eberswalde.
Zu dieser Zeit hatte Kultur in Eberswalde noch einen anderen Stellenwert. Es gab kein eigenständiges Kulturamt und die Stadtführung war primär an Wirtschaft interessiert. Kultur war Beiwerk, der Ball wurde flach gehalten.
Immer mehr Kulturakteure, junge wie alte, traten hervor und handelten. Und dann, im Dezember 2006, übernahm Friedhelm Boginski das Bürgermeisteramt in der Stadt. Für Kulturaktivisten und deren Publikum war das wie eine Zeitenwende, denn hier stand plötzlich einer an der Spitze der Stadtverwaltung, der selbst bekennender Kulturfreund ist.
In der Folge wurden viele Entwicklungen eingeleitet, die teilweise über den heutigen Tag hinaus andauern. Die Stadt hat wieder ein Kulturamt. 2 Jahre lang wurde von Akteuren und der Verwaltung an einer Kulturentwicklungskonzeption gearbeitet – ein Wegbereiter für die Zukunft der Kultur in Eberswalde. Über diese Zukunft wird sicherlich viel zu berichten sein. Ich bin jedenfalls gespannt…

Schön, dass Du mit diesem Blog beginnst!
Dein Plädoyer für das Hier-Bleiben gefällt mir. Man sollte jedoch auch nicht nur die Sonnenseiten betrachten. Insofern hoffe ich, dass Du auch Kritik üben wirst.
Ja, das ist eine schöne Geschichte, mit einem schönen Ausgang. Die Frage muss aber erlaubt sein: reicht es, wenn der Bürgermeister “selbst bekennender Kulturfreund” ist? Das ist wunderbar und sicher ein guter Anfang. Aber der Kulturetat des städtischen Haushaltes hat sich doch nicht signifikant erhöt, odeR?
Er hat sich noch nicht einmal im einstelligen Euro-Bereich erhöht, lieb/r ersetzBAR (meinst Du diesen Blog?). Da die Konzeption noch nicht verabschiedet ist, wird sie auch frühestens für den Haushalt 2011 etwas bewirken können. Aber ehrlich gesagt: Momentan ist es fast schon ein gutes Zeichen, wenn ausgerechnet an der freiwilligen Aufgabe Kultur kaum eingespart wird. Derzeit hat die Stadt ja bereits harte Kämpfe um ihren Haustarif auszufechten. Kurios wäre, wenn die Gewerkschaft letztlich durch ihr Votum 20 Arbeitsplätze vernichten würde.
Nichts desto trotz wird es die Budget-Kämpfe um den Fördertopf für freie Kulturarbeit geben müssen! Wo das Geld herkommen könnte, wurde des öfteren in den Runden der Kulturwerkstatt diskutiert. Nägel mit Köpfen kann man da aber nur machen, wenn man den Haushalt sowie die weiteren Verpflichtungen der Stadt auf dem kulturellen Sektor gut kennt.
Nein, dein blog ist nicht ersetzbar, aber sicher ganz brauch- und wunderbar für die eine oder den anderen. // Mal in aller Anonymität gesagt: ein eingesparter Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung – vorausgesetzt, er wird wirklich nicht mehr gebraucht – und die entsprechende Umschichtung im Haushalt, könnte das Budget für die freie Kulturarbeit mit einem Schlag mehr als verdoppeln. Was das für Auswirkungen haben könnte… // Aber der öffentliche Dienst ist leider nicht so flexibel. Hier sehr schade, manchmal sicher auch ganz gut.
Der öffentliche Dienst wäre betriebsbedingt durchaus so flexibel, wenn wir uns den aktuellen Disput mir Verdi anschauen. Verdi versucht jetzt zwar den schwarzen Peter zurückzuweisen (siehe MOZ heute, 24.11.). Aber die Rathausbelegschaft scheint einheitlich für die Verlängerung des Haustarifes zu sein.
@ersetzBAR: Du hast natürlich vollkommen Recht, es gibt die eine oder andere Personalie, wegen der man verdi bitten müsste, hart zu bleiben. Leider würde das Geld wohl nicht bei der freien Kulturförderung landen, denn es müsste dann ja eingespart werden. Aber allein dafür würde es sich fast lohnen, verdi beizutreten.