Kultur aktuell – 23.11.2009
Auf der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Eberswalde am kommenden Donnerstag, 26.11.2009, soll neben vielen andereen Beschlussvorlagen auch über das neu erarbeitete Kulturentwicklungskonzept entschieden werden. Für Eberswalde und seine Kulturakteure ist dies ein bedeutender Schritt.
Kultur ist ein sehr weit gefächerter Begriff. Beinahe jeder versteht etwas anderes darunter. Wenn man sich über Kultur verständigen will, muss man sich zuerts einigen, was die gemeinsamen Eckpunkte sind. Wenn man Kultur gar weiterentwickeln möchte, zum Beispiel in einer Region oder einer Stadt, dann ist es sehr sinnvoll, dafür ein Konzept zu haben.
Die Stadt Eberswalde arbeitet mittlerweile seit Jahren mit Stadtentwicklungskonzepten für die unterschiedlichsten Bereiche. Auch die Kultur wurde da frühzeitig, noch vor dem Amtsantritt von Friedhelm Boginski, als entwicklungsfähig eingestuft.
Im Jahr 2007 dann begann ein Prozess, in dessen Verlauf bis zum Jahr 2009 ein großer Teil der lokalen Kulturakteure Visionen und Handlungsfelder formulierten. Nachdem Dr. Stefan Neubacher als Kulturamtsleiter mit der Erstellung des Kulturentwicklungskonzeptes beauftragt wurde, professionalisierte er diese Arbeit durch regelmäßige moderierte Kulturwerkstätten. Das entstandene Kulturentwicklungskonzept wurde bereits vom Kulturbeirat der Stadt Eberswalde an die Stadtverordneten empfohlen. Letztlich, nach mehrfacher Lesung im Ausschuss für Kultur, Soziales und Integration, wurde es dann mit großer Stimmenmerhheit angenommen. Nun entscheidet die Stadtverordnetenversammlung entgültig darüber.
Doch was ist das Besondere an diesem Konzept?
Ganz einfach: es gab vorher keins. Kultur hat die Stadtverwaltung über Jahrzehnte in erster Linie als Schmuck verstanden. Nach Eberswalde kamen die Menschen früher ja nur, weil es hier Arbeit gab, nicht, weil es so toll war. Das war bereits vor der Wende so. Nach der Wende gab es dann keine Arbeit mehr, also auch keinen Grund, warum man nach Eberswalde kommen musste. Aus diesem Grund gab es auch nie ein eigenes Kulturverständnis der Stadtoberen. Man setzte sich damit nicht auseinander.
Nun haben die Akteure eingegriffen und der Stadt abverlangt, ein eigenes Bild davon zu entwerfen, wie Kultur in Eberswalde zukünftig aussehen kann. Herausgekommen ist ein Werk, das im Wesentlichen aus zwei Teilen besteht: den langfristigen Leitlinien für Kultur in der Stadt und den akuten Handlungsfeldern. Die Leitlinien sind die dauerhafte visionäre Grundlage und somit der wichtigste Teil der Konzeption. Begriffe wie Barrierefreiheit, Vielfalt, Offenheit, Normativität und Ermöglichung werden hier für die Entwicklung festgeschrieben. Jeder Kulturakteur kann sich in der Zusammenarbeit mit der Stadt darauf berufen – wenn die Stadtverordneten dem nun auch zustimmen. Die Handlungsfelder sind der praktisch orientierte Teil des Papiers, der in regelmäßigen Abständen überarbeitet werden soll, so Dr. Neubacher. Hier wird dargestellt, warum die Stadt auf welche Kulturbereiche fördern möchte und welche nicht. Das ist konsequent, denn es schafft Profil. Zum Beispiel, wenn die Stadtverwaltung für sich klar definiert, dass Sie auch in Zukunft kaum Möglichkeiten sieht, dauerhaft großes Ensembletheater in Eberswalde finanziell zu unterstützen. Theaterprojekte hingegen seien in Eberswalde willkommen. Das macht Sinn, denn es gibt seit Kriegsende kein relevantes Theaterhaus in Eberswalde mehr.
Werden sich die Stadtverordneten zu diesem zukunftsweisenden Papier, dass für eine Stadt wie Eberswalde, doch außergewöhnlich ist, bekennen? Es bleibt zu hoffen, nicht zuletzt, weil man den mittlerweile zahlreichen Kulturakteuren der Stadt damit auch ein klares Signal gibt.

Die STVV muss eigentlich die Konzeption abnicken. Nach so viel Aufwand und dem Votum des Fachausschusses muss es jetzt endlich einmal durchgehen um auch weiter agieren zu können. Ich werde am Donnerstag in den Reihen vor mir dafür sorgen.
Es ist der sehr gute Grundstein und Änderungen werden wahrscheinlich über kurz oder lang auch noch notwendig, es ist ja nichts statisches.