Lecker, nachhaltig, interessant
Wieviele Weihnachtsmärkte man auch veranstaltet, es will und will nicht schneien! Aber das liegt nun wirklich (noch) nicht in Menschenhand.
Dafür kann man sich die vorfestliche Zeit durchaus angenehm gestalten. Die Angebote sind scheinbar riesig. Wie hier bereits an anderer Stelle geschrieben, hat am vergangenen Freitag der neu konzipierte Eberswalder Weihnachtsmarkt eröffnet. Nachdem ich ihn mittlerweile einige Male mit und ohne Familie besucht habe, kann ich ihn nur als sehr gelungen bezeichnen. Im Gegensatz zur Umfrage in der Märkischen Oderzeitung (die im Internet leider nicht veröffentlicht ist), gefällt mir ganz besonders, dass der Fokus nicht so sehr auf bunten Lichterketten und Deko liegt (obwohl davon reichlich vorhanden ist). Vielmehr ist das Programm des Weihnachtsmarktes und die sehr bedachte Händlerauswahl das Besondere und Wegweisende.
Lichterketten aufhängen kann jeder, ein gutes Programm und eine professionelle Organisation sind da schon schwieriger.
Allein, wenn man zum ersten Mal an der original russischen Blockhütte vorbei den Markt betritt und vor der mongolischen Jurte mit dem riesigen Weihnachststern darüber stehen bleibt, kann man erst einmal nur staunen. In dieser ebenfalls originalen Behausung findet jeden Tag zwischen 16 & 17 Uhr der Lesezauber der Vorleseinitiative der Bürgerstiftung Barnim Uckermark statt. Ein stark gefragter Termin. Wenn man dann eine Runde über den Markt macht, vermisst man nicht wirklich die Bekleidungsstände des Wochenmarktes (die in den vergangenen Jahren meist Bestandteil der Weihnachtsmärkte waren). Im Gegenteil, man kann viele interessante Angebote entdecken. Hier mal meine Favoriten:
1. Spanischer Bio-Glühwein am Stand von Globus Naturkost
2. der Stand von FRILUX, hier gibt es Vollholz-Produkte aus regionalen Hölzern (tolle Geschenkideen)
3. natürlich der Whiskey-Stand (da gibt es aber auch andere Sachen)
4. absoluter Geheimtip(nicht weitersagen, sonst ist alles alle): der unscheinbare Stand mit ukrainischen/russischen Nationalgerichten. Unbedingt kosten: Borschtsch, Piroggen, Bliny – alles echte Hausfrauenkost, keine Fertigprodukte
5. Vanille-Waffeln am Venezia-Stand
Und natürlich sind die leckeren Angebote von Bäckerei Wiese zu erwähnen sowie die sportliche Attraktion des Weihnachtsmarktes: die Eisbahn.
Ein ernsthaftes Highlight ist das Theaterzelt, in dem täglich Vorstellungen gegeben werden. Heute um 18 & 19 Uhr wird “Sterntaler” gezeigt, morgen dann “Frau Holle”. Die Stücke sind jeweils für groß und klein geeignet.
Natürlich könnte man auch Kritisches anmerken, wie zum Beispiel die sehr umfangreiche Frau mit dem noch umfangreicheren Kinderwagen, die am Sonnabend in der Hauptbesuchszeit an mir mit den Worten vorbei lief: “Dit war nich jut, man kommt ja nirgens durch!”
Das weist auf die Besucherzahlen hin und hier muss ich aus eignem Erleben erneut der MOZ-Umfrage widersprechen: In den Stoßzeiten war es am Wochenende gerammelt voll und auch ansonsten gut gefüllt. Da gingen einige Tausend Menschen über den Markt. In der Woche ist damit nicht zu rechnen, aber auch Montag und Dienstag waren nicht zu wenige Besucher da.
Wenn es um so etwas allgemein interessantes wie einen Weihnachtsmarkt geht, gibt es auch in Eberswalde 42.500 Experten. Wichtig beim Kritisieren ist, vorher genau hinzuschauen, denn dieser Weihnachtsmarkt besteht glücklicherweise aus mehr als nur Lichterketten. Die Vielfalt dieses Marktes will entdeckt werden. Bitte Zeit mitbringen.
